Zahlen einer Analysefirma zeigen, wie sich die Coronakrise auf den App-Markt auswirkt. Besonders profitieren demnach Mobil-Games: Es gibt deutlich mehr Spiele-Downloads und auch mehr Spiele-Sessions.

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Mehr Zeit zu Hause, mehr digitale Kommunikation, weniger Outdoor-Freizeitaktivität: Die Folgen der Coronavirus-Pandemie beleben das Geschäft mit Mobil-Apps. Im ersten Quartal 2020 legten vor allem Smartphone-Anwendungen aus den Bereichen Gaming, Business und Lieferdienste für Essen und Getränke zu, ergab eine Studie des Unternehmens Adjust, das für Werbetreibende das Nutzerverhalten in Apps analysiert und Daten zu insgesamt 32.000 Apps weltweit auswertet.

App zu "Mensch ärgere Dich nicht"

Bei jenen Gaming-Apps, zu denen Adjust Informationen vorliegen, wurde demnach Ende März ein Allzeithoch von gut 45 Millionen Installationen pro Woche erreicht, ein Plus von 132 Prozent im Vergleich zur selben Woche im Jahr 2019. „Wer das Haus nicht verlassen kann, nutzt verstärkt das Smartphone zur Unterhaltung“, kommentiert Adjust.

Über das gesamte erste Quartal gesehen, kommt der Bereich Gaming bei den App-Installationen auf ein Plus von 75 Prozent, damit wuchs er sogar stärker als der Bereich Entertainment. Dieser Bereich, in den etwa Streamingdienste fallen, kam zuletzt auf ein Plus von 55 Prozent gegenüber dem Ende des ersten Quartals 2019.

Und die Anwender installieren Spiele-Apps nicht nur, legen die Zahlen von Adjust nahe, sie nutzen sie auch: Insgesamt registrierte das Unternehmen im ersten Quartal 47 Prozent mehr Nutzungsperioden, sogenannte Sessions, als im Vorjahreszeitraum.

Bestellen mit bereits vorhandenen Apps

Auch der in vielen Fällen erzwungene Umzug ins Homeoffice, den die Corona-Pandemie für viele Arbeitnehmer zur Folge hatte, schlägt sich in der App-Statistik nieder. Die Nutzung der Business-Apps verdoppelte sich demnach im ersten Quartal (plus 105 Prozent), die Zahl der App-Installationen legte um 70 Prozent zu. Zu den Business-Apps zählen zum Beispiel Programme im Stil von Slack und Microsofts Software Teams.

Der Aufschwung schlägt sich auch in den Umsätzen der App-Hersteller nieder. Die Zahl der Bezahlvorgänge („Revenue Events“) stieg Adjusts Schätzungen zufolge um 75 Prozent. „Viele Nutzer entscheiden sich für Premium-Versionen, um im Homeoffice ohne Einschränkungen mit den Apps arbeiten zu können“, heißt es.

Da viele Restaurants zurzeit nur Essen zum Mitnehmen anbieten dürfen, verzeichneten Apps von Lieferdiensten ebenfalls einen deutlichen Nutzungsanstieg. Hier wurden offenbar vor allem Apps intensiver genutzt, die sich schon auf dem Smartphone befanden. Die Zahl der Sessions stieg um 73 Prozent, während die Installationen nur um 21 Prozent zunahmen.

Die Studie ergab, dass Shopping-Apps am häufigsten mittags zwischen 12 und 14 Uhr und am Abend verwendet werden. Fast ein Viertel der täglichen Sessions findet dabei in der Zeit von 19 bis 22 Uhr statt. Ähnlich sieht es bei Apps für Lieferdienste aus, die zwischen 17 und 20 Uhr am häufigsten genutzt werden und in diesem Zeitraum rund 31 Prozent ihrer Sessions verzeichnen. Bei den Gaming-Apps verzeichnete Adjust keine eindeutigen Spitzenzeiten